Dark Forest
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Hallo, ich heiße Kari und wurde 1990 geboren. Ich bin diagnostiziert mit Anorexia Nervosa (mit bulimischen Attacken), Borderline Persönlichkeitsstörung (2009-2012) und Panikstörung mit Agoraphobie. Ich habe mich durch Selbstverletzung gekämpft. Seit mehr oder weniger Mai 2010 bin ich ritzfrei. Dennoch hatte ich im Sommer 2011, Winter 2011 und Februar/März 2012 ein paar Ausrutscher.

Mit 11 hab ich das erste Mal gekotzt. Ich hatte keine Ahnung, was das für Auswirkungen haben könnte und dass es mich dahin führen könnte, wo ich heute bin.

Mittlerweile bin ich selbstständig und kann mich um mich und meine Hunde kümmern. Ich habe eine eigene Wohnung und bin 22 Jahre alt. Wegen all meiner Behandlungen konnte ich die Schule nicht abschließen und bin derzeit fünf Jahre hinter anderen Leuten in meinem Alter. Mein Leben dreht sich zurzeit nur um Therapie. Ich habe normalerweise vier Mal die Woche Therapie mit verschiedenen Leuten.

Meine Geschichte begann, als ich mich gefühlt habe, als hätte ich keine Kontrolle über das, was in meinem Leben passiert. Meine Stimme wurde nie gehört und ich hatte das Gefühl, als könnte ich wenigstens meinen Körper, mein Aussehen und meine Nahrungsaufnahme kontrollieren. Ich konnte es fünf Jahre verheimlichen, bevor es jemand herausgefunden hab. Mit 12, fast 13, hab ich mich zum ersten Mal selbst verletzt.

In 2007 hab ich die Kontrolle verloren und aufgegeben. Mit 16 hab ich das erste Mal versucht mich umzubringen. Ich habe die Schule abgebrochen und mein Leben drehte sich nur noch um Selbstverletzung und kotzen. In September dieses Jahres wurde ich zum ersten Mal im Krankenhaus therapiert, weil ich meinen zweiten Selbstmordversuch versucht habe, und wegen meiner Essstörung. Zwei Monate war ich dort.

2008 hat Bulimie die Überhand gewonnen. Ich war nicht in der Schule und habe die Tage mit kotzen und fressen verbracht. Ich habe Gewicht verloren und war stark untergewichtig, weshalb ich wieder in die Klinik kam. Diesmal hab ich wirklich stark versucht, gesund zu werden, aber ich war nicht erfolgreich. Einer der Hauptgründe, warum ich es nicht geschafft habe, ist, dass meine Essstörung meine Persönlichkeitsstörung ausblendet. Wenn mein Kopf voller Essstörungs-Gedanken ist, ist da kein Platz für Borderline. Meine Essstörung hält mich am Leben. Wenn ich versucht habe, von meiner Essstörung mich zu erholen, waren meine Borderlinestörungen wieder da und ich habe die Kontrolle verloren. Ich habe mich stark verletzt, zu viele Tabletten geschluckt und mich zu einer herzlosen Tusse gemacht. Dadurch hab ich mich noch mehr gehasst, sodass ich wieder mal sterben wollte. Es fühlt sich an, als ob ich meine Essstörung brauche, um am Leben zu bleiben.

Sechs Monate hab ich in der Klinik verbracht, um gegen meine Essstörung anzukämpfen, bevor sie mich jedoch entlassen mussten, weil ich zu suizidal wurde. Sie haben mich gegen meinen Willen in eine andere Klinik einweisen lassen und mich für drei Wochen dort behalten. Meine Selbstverletzung wurde immer schlimmer. Nach den drei Wochen wollten sie mich in eine andere Klinik überweisen und ich hatte die Wahl, ob ich dort bleiben wollte oder nicht. Ich wollte es nicht und habe abgelehnt. Zwei Wochen später hab ich mich selber einweisen lassen, weil ich nicht länger mit den Schmerzen umgehen konnte, die ich meiner Familie und Freunden geschuldet habe. Ich wollte nie jemanden verletzen, außer mich selbst, aber die Dinge, die mir Probleme bereiten, beeinflussen auch andere Leute, ob ich das jetzt will oder nicht. Während dieser Zeit war ich fertig und hab meinen Verstand verloren. Ich war mehrere Wochen in einer paranoiden Psychose gefangen, bevor mich die Medikamente zurück ins Leben geholt haben.

Das passierte 2009. Meine Selbstverletzung wurde immer schlimmer. Ich war täglich am fressen und kotzen, obwohl ich noch immer in der Klinik war.

Im Sommer 2009 hab ich beschlossen, gegen die Selbstverletzung anzukämpfen. Während ich das getan habe, hat die Bulimie Überhand gewonnen.

Nachdem ich fast 18 Monate in der Klinik verbracht habe, ohne jegliche Freiheit, konnte ich mich endlich selber entlassen. Ich war untergewichtig und mein Ziel in dieser Zeit war, mich zu Tode zu hungern. Ich wollte mich so langsam und schmerzvoll wie möglich umbringen.

Im März 2010 war ich wieder in der Klinik und wurde zwangsernährt, weil ich es fast geschafft hätte, mich zu Tode zu hungern. Diese Erfahrung hat mich schockiert. Sterben ist für immer, endgültig. Ich war doch erst 19. Ich war zu jung zum Sterben und wollte nicht sterben, ohne überhaupt richtig gelebt zu haben.

Ich hab angefangen, meine Essstörungen zu bekämpfen, weil ich gemerkt habe, wie sehr ich leben wollte. Ich habe zugenommen, wodurch meine Borderline-Symptome wieder da waren und ich jegliche Kontrolle über Selbstverletzung verloren haben. Ich habe wieder versucht, mir das Leben zu nehmen. Als ich wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hab ich weiter gekämpft und zugenommen. Das war auch das letzte Mal, dass ich mich ernsthaft verletzt habe. 25. Mai 2010.

Als ich mein höchstes Gewicht erreicht hatte, konnte ich nicht mehr kämpfen und bin rückfällig geworden (Essstörung). Ich habe trotzdem an mich geglaubt und bin wieder zur Schule gegangen. Ich war gut in der Schule, auch wenn es schwer war, tagsüber in der Schule zu sein und zuhause zu kotzen. Die Tage gingen so voran, aber ich hatte gute Noten und zum ersten Mal seit Jahren hab ich mich gefühlt, als wäre ich in etwas anderem gut, außer Gewicht verlieren und zu leiden.

Dann kam 2011 und mein Leben hat sich zum Schlechten verändert. Alles begann am 4. Januar und ich wurde wieder in der Klinik behandelt. Es wurde immer schwieriger, zur Schule zu gehen. Es war unmöglich, dorthin zu gehen, weil ich wegen meiner Bulimie keinerlei Energie hatte. Ende März wurde ich noch mal in der Klinik behandelt.

Am 4. April hat sich mein Leben radikal verändert. In der Öffentlichkeit hatte ich einen epileptischen Anfall (sehr wahrscheinlich wurde die Epilepsie durch die Bulimie ausgelöst), was mich sehr traumatisiert hat. Da hab ich keine Worte für. Alles ging dann den Bach runter. Ich bin nicht mehr zur Schule gegangen, habe keine Leute mehr getroffen, bin nicht mehr raus gegangen. Ich war nicht mehr fähig, meine Sachen zu erledigen, alleine einkaufen zu gehen oder einfach nur im Tageslicht spazieren zu gehen. Ich hatte panische Angst, wieder einen Anfall zu haben und solang ich keine Kontrolle über meine Bulimie hatte, würde ich weitere Anfälle auslösen.

Ich sollte eigentlich in eine längere stationäre Behandlung wegen meiner Essstörung gehen, aber ich war nicht motiviert und hab das Angebot abgelehnt. Stattdessen wurde ich behandelt weil ich „stark zerstörerisch“ war und man Angst hatte, ich könnte die Kontrolle verlieren und mich wieder verletzen.

Ich wusste, dass ich Hilfe dabei brauchte, mit meinen Panikstörungen und Agoraphobie leben zu können. Es fühlte sich an, als wär ich in meinem eigenen Körper gefangen, zu verängstigt, um zu leben oder irgendwo hin zu gehen. Ich hatte keine Freiheit, alels war pure Qual und endlose Traurigkeit. Ich hatte Gedanken an Selbstverletzung, aber habe die ausgeblendet, in dem ich gefressen und gekotzt habe.

Im Sommer 2011 hab ich ein paar Wochen in der Klinik verbracht und es ging mir auch besser, bevor ich in eine andere Anstalt überwiesen wurde. Die hatten die Hoffnung allerdings aufgegeben und meinten, sie könnten nichts für mich tun. Ich hab geheult und geheult und sie angefleht mir zu helfen, weil ich im August wieder zur Schule wollte. Das ist jedoch nie passiert.

2012 war ziemlich unspektakulär. Im Januar, Februar und März habe ich einige Zeit in der Klinik verbracht. Im Frühjahr hatte ich einen epileptischen Anfall, was die Hoffnung auf den Führerschein genommen hat. Dennoch hat sich in dem Jahr viel geändert: Ich habe einen zweiten Hund - Nick - bekommen. Ansonsten habe ich meine Rasierklingen im Mai weggeworfen, weil ich sie nicht mehr im Haus haben möchte. Die Agoraphobie ist schlimmer geworden - während des ganzen Jahres habe ich es nur zweimal in ein Café geschafft. Ich habe versucht, gegen die Bulimie anzukämpfen, jedoch bin ich immer und immer wieder gescheitert. Dennoch versuche ich, die Bulimie irgendwie in den Griff zu kriegen. Was jedoch nicht heißt, dass ich zunehmen werde. Wenn ich nicht fresse & kotze, dann hungere ich. Etwas dazwischen gibt es bei mir nicht.

Ich schäme mich nicht für meine Narben, viele fragen mich das. Sie sind ein Teil von mir und meinem Aussehen, aber nur ein Teil. Es macht mich traurig zu wissen, dass ich mit den Narben mein ganzes Leben lang leben muss, aber ich kann die Zeit nicht zurück drehen und etwas ändern. Ich kann mein Leben verbittert verbringen oder ich kann mich so akzeptieren, wie ich bin. Es triggert mich kaum noch Leute zu sehen, die sich auch verletzen und ich will da auch nicht zurück.

Leute fragen mich auch, ob ich wieder komplett gesund werde oder werden möchte. Die Wahrheit ist: ich weiß es nicht. Derzeit fühlt es sich unmöglich an, aber es gibt auch einen kleinen Teil von mir, der überzeugt ist, dass ich irgendwann, eines Tages, vielleicht gesund sein werde. Dort bin ich aber noch nicht. Anorexia beherrscht mein Leben. Damit komme ich auch klar soweit, weil es mir besser geht als vorher.

Ich bin nicht „Pro Ana“ und ich verherrliche auch keine Essstörungen. Eine Essstörung hat nichts mit dünn sein oder schön sein zu tun. Sie lässt dich schrecklich fühlen und nimmt dir den Lebenswillen. Es macht das Leben schwer, traurig und hoffnungslos. Ich beantworte keine Fragen zu meinem aktuellen Gewicht. Derzeit möchte ich abnehmen, nicht zunehmen.

Wenn ihr etwas wissen wollt, dann seid so direkt und fragt mich einfach. Das ist völlig okay und das ist mir auch lieber, als wenn ihr euch einfach so eine Antwort darauf gebt.

Und nein, ich bereue es nicht, dass ich mich geritzt habe.

Auch, wenn ich hier einiges niedergeschrieben habe... Hier steht noch lange nicht alles. Einiges hab ich rausgelassen. (Stand: Nov 2011)

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