Dark Forest
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Fünf Tage, vierzehn Stunden. Zu mehr hat es nicht gereicht. Ich weiß nicht, warum es wieder so schwer ist. Anfang des Jahres hab ich es fast vier Monate geschafft, jetzt schaff ich es nicht mehr über eine Woche hinaus. Ich bin so enttäuscht.
19.8.13 13:59


Behind the clouds

Heute hatte ich meine zweite Sitzung mit meiner Therapeutin. Ich weiß nicht, ob ich die erste Sitzung erwähnt habe, aber die war gar nicht gut. Es hatte nichts mit ihr zu tun, sie schien ganz nett. Ich versuche, die Leute nicht zu schnell zu beurteilen, weil es immer wieder zu Überraschungen kommen kann, sowohl positiv als auch negativ.

Hauptsächlich haben wir darüber geredet, dass ich alles um mich herum kontrollieren muss und wie ich darauf reagiere, wenn ich das Gefühl habe, die Kontrolle zu verlieren, und welche Methoden ich anwende, um mit dem Kontrollverlust umzugehen. Das Problem ist, ich benutze destruktive Methoden und weil ich mich seit 457 Tagen nicht selbstverletzt habe, benutze ich die Bulimie als meinen Notausgang, wenn die Gefühle zu stark sind. Sprich: ich fresse mich voll und übergebe mich, stundenlang. Das kann drei Stunden dauern, aber auch zehn-zwölf Stunden.

Als ich ging, meinte sie, sie würde "meine Diagnosen eintragen" und ich hab sie gefragt, was sie damit meinte, weil ich Angst hatte, sie würde mir - basierend auf zwei Treffen - eine neue Diagnose verpassen. Aber sie hat meine bestehenden Diagnosen einfach nur in ihren Computer eingetragen. Darf ich hinzufügen, dass ich ganz froh bin, dass ich nur zwei Diagnosen habe - verglichen mit der längeren Liste, die ich vor ein paar Jahren mit mir rumgeschleppt habe. Meine Hauptdiagnose ist atypische Anorexie (ich bin etwas überrascht, dass sie keine bulimischen Züge eingetragen hat, aber ich schätze, meine Unterlagen sind schon detailliert genug) und Agoraphobie.

In der letzten Zeit habe ich nicht wirklich gut geschlafen. Egal, wann ich ins Bett gehe, ich schlafe selten vor 4 Uhr ein, und das macht es unglaublich schwierig, früh aufzustehen, wenn ich Termine habe - oder ich fühle mich wie ein Versager, wenn ich mittags aufwache.

Heute ist Tag 4 ohne fressen und kotzen. Ich bin sehr überrascht, dass ich gestern geschafft habe und auch heute den Supermarkt ohne fress-Nahrung verlassen habe. Ich hoffe nur, dass ich auf diesem Weg bleiben kann, weil mein Körpergefühl heute unglaublich schwierig ist - was heißt, dass mich der eigene Anblick unglaublich anwidert. Warum? Wegen der Wasseransammlung. Das Wasser, das sich ansammelt, wenn ich fresse/kotze, hat meinen Körper noch nicht verlassen und dadurch wiege ich ein Kilo mehr, als ich normalerweise als "zu viel" bezeichnen würde und dadurch fühle ich mich unglaublich schlecht. Als ich heut morgen auf die Waage gestiegen bin, habe ich es direkt wieder bereut und ich dachte mir, dass ich heute fressen und kotzen muss - als Bestrafung, aber auch, um mit dem Selbsthass nicht dealen zu müssen. Es ist ermüdend und erschöpfend. Ich wünschte, es wäre nicht so schwer, sich selbst lieben zu können. Ich weiß nicht, wie das geht.

Aber andererseits habe ich daran gedacht, dass heute Tag 4 ist und vielleicht das Wasser verschwindet? Ich mein, ich war an Tag 2, 3 und 4 schon enttäuscht, was ist schon einer mehr? Und ich bin ziemlich sicher, dass ich morgen auch kämpfen werde - denn wenn es morgen noch nicht weg ist, dann wird es wohl danach endlich weggehen?

Ich versuche verzweifelt mich davon zu überzeugen, wie es sich lohnen wird, wenn das Wasser weg ist, wie ich mich ein wenig wohler fühlen werde und mehr motiviert. Die ersten Tage sind immer die schlimmsten Tage.

Es macht mich traurig zu sehen, wie ruiniert mein Körper doch ist und dass ich dafür verantwortlich bin. Drückt mir die Daumen, dass ich es heute schaffe. Ich hoffe, es wird kein Problem sein, denn wie ich schon gesagt habe - ich habe keine fress-Nahrung hier und es geschieht selten, dass ich die Kontrolle verliere und meine sicheren Nahrungsmittel fresse (=akzeptable Sachen, Sachen, die ich essen kann, ohne mich übergeben zu wollen).

Eine gute Nachricht: heute war mehr oder weniger Angst-Frei. Ich habe keine Ahnung warum, aber nach meiner Therapie-Sitzung wollte mein Vater mich abholen, aber er war zu spät, deshalb bin ich einfach losgelaufen und nach ein paar Minuten dachte ich "Warum hast du keine Panik?!". Ich habe gar nicht nachgedacht, ich bin einfach gelaufen und ich habe mich so frei gefühlt. Es war so schön, nicht über alles nachzudenken und davon besessen zu sein, dass alles schief laufen kann.

Anstatt nach Hause zu fahren, sind mein Vater und ich in ein Einkaufszentrum gefahren und haben einen Kaffee getrunken. Ich habe auch meine Sachen alleine erledigt, allein, während mein Vater im Auto gewartet hat. Ich musste sogar jemanden um Hilfe bitten, weil ich nicht das gefunden habe, wonach ich gesucht habe.

Ich weiß nicht, wie ich diese Freiheit beschreiben soll. Es fühlt sich so unglaublich gut an. An solchen Tagen will ich mehr, ich will mich jeden Tag so frei fühlen. An solchen Tagen bin ich unglaublich motiviert, dass es möglich ist, gesund zu werden und jeden Tag solche Tage zu erleben.

Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes Wochenende!
16.8.13 17:23


4015

Ich habe gute und schlechte Nachrichten. Die schlechten zuerst.
Heute vor elf Jahren habe ich mich zum ersten Mal übergeben. 4015 Tage. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Ein Teil von mir will diesen Tag irgendwie markieren, indem ich etwas esse, was mich viel Überwindung kostet, um mir zu zeigen, dass ich auf Genesung hoffe - aber ich bin mir zu 100% sicher, dass ich mich übergeben würde, wenn ich es versuche.
Ich bin mir zu 97% sicher, dass ich fressen und kotzen werde, weil meine "ein letztes Mal, dann nie wieder"-Stimmung an solchen Jahrestagen ziemlich extrem ist. Es fühlt sich perfekt an, an so einem Tag ein letztes Mal durch die Bulimie zu gehen.
Rational gesehen weiß ich, dass das nur meine Sucht bestätigen wird. Ich verspreche mir immer etwas und suche nach Schlupflöchern, um rechtzufertigen, dass ich die Regeln breche.
Bescheuerter, schwacher, lächerlicher Suchti. Hoffnungsloser Verschwender von Zeit und Luft.
Wie zur Hölle zerstört man etwas, das sich in einem selbst ernährt, ohne dass man sich selbst umbringt oder zulässt, dass es einen schließlich umbringt?
Die gute Nachricht: Ich bin seit 450 Tagen ritzfrei.
9.8.13 14:06


Kennt ihr diese Tage, an denen man sich total miserabel und traurig fühlt, man aber nicht weinen oder sich besser fühlen kann? Und dann stirbt dein Lieblingscharakter in irgendeiner Serie und du weinst, als sei es das Ende der Welt, weil du plötzlich einen Grund zum Weinen hast und nun kannst du nicht mehr aufhören. Genau so einer dieser Tage. Samstag war gut, aber die Tage danach, vor allem gestern, waren einfach nur schlecht. Ich frage mich, wann ich wieder mal einen guten Tag haben werde. Ich wünschte, es wäre nicht alles so ein Kampf. Ich wünschte, die Dinge würden einfach mal Spaß machen und wären nicht immer so eine Herausforderung oder eine lästige Pflicht oder etwas, wozu ich mich immer zwingen muss.
31.7.13 21:29


Ist es nicht lustig, wie ein Tag von gut zu absolut bescheuert gehen kann, und das innerhalb weniger Stunden?

Im Supermarkt hatte ich fast eine Panikattacke. Ich bin hingegangen, habe versagt und bin rausgelaufen und dann zu einem anderen Laden. Ich habe drei Sachen gekauft und ich schätze, das ist besser, als gar nichts geschafft zu haben. Dadurch fühlt man sich besiegt und hoffnungslos. Ich kam zuhause an und wollte weinen (ich bin nicht allein hingegangen).

Gerade habe ich 15 Minuten mit 112 telefoniert, wegen einer Freundin. Der Krankenwagen ist irgendwann aufgetaucht und hab übernommen. Ich sollte mich gut fühlen, dass ich vielleicht ihr Leben gerettet habe?

Aber ich fühle mich nicht gut. Mir ist zum heulen zu mute und ich will mich übergeben oder sonstwas, um der Realität zu entfliehen. Ich möchte nicht mit der Realität klarkommen müssen.
22.7.13 19:17


Gestern war ich beim Zahnarzt. Auf dem Weg dorthin habe ich gemerkt, dass ich ja ganz vergessen habe, darüber nachzudenken, dass ich ja gehe. Ich habe vergessen, mich im Bett hin und her zu wälzen und ich habe vergessen, über alle Entschuldigungen nachzudenken, warum ich den Termin absagen sollte. Es lief einfach so "Auf zum Zahnarzt" und dann bin ich einfach losgegangen, was für alle anderen wahrscheinlich das normalste auf der Welt ist, aber so los zu gehen war für mich in den letzten zwei Jahren sehr schwierig - und dann einfahc aufzuwachen und es zu machen, erscheint sehr surreal. Ich musste sogar noch ein wenig warten, bevor ich losgehen konnte, deshalb habe ich meine Nägel lackiert; anstatt Panik zu schieben, zu sterben und was nicht alles noch. Ich muss nachher zu meiner Ärztin und ich hoffe, das wird nicht so schwierig. Es ist der dritte Termin für diese Woche. Den ersten habe ich abgesagt, der zweite war unglaublich schwierig, deshalb hoffe ich, dass es nachher leichter wird.
19.7.13 08:58


Ich bin erledigt und fühle mich, als könnte ich Freudentränen weinen. Ich wage mal zu behaupten, dass ich die größte Herausforderung nach meinem Klinikaufenthalt gemacht habe. Es ist schwierig zu erklären, warum es die größte war, weil ich bereits "größere" Sachen gemacht habe, aber: es geht um die Umstände. Heute bin ich zur Post gelaufen, weil ich ein Paket abholen musste. Das hat 40 Minuten gedauert und ich war die gesamte Zeit alleine. Ich musste mich motivieren, mich selber zur Tür hinaus werfen, mich aufsammeln, nachdem ich Freitag und Montag gescheitert bin, ich musste mich beruhigen. Ich hatte keine Unterstützung. Keine Umarmung, keine guten Worte, ich hatte keinen Plan B, ich hatte nichts. Ich hatte ein Ziel und das wars. Man muss es nicht mehr sagen: Ich habe es geschafft, auch wenn es der dritte Versuch war. Das hat aber den Erfolg vergrößert, weil ich einfach nicht aufgegeben habe. Ich muss gleich noch schnell zum Zahnart, aber das schaffe ich. Mein Selbstbewusstsein ist schlagartig größer geworden durch diesen Erfolg und ich muss direkt weiter machen, bevor irgendwelche Zweifel aufkommen.
16.7.13 17:38


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