Dark Forest
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500

Auf diesen Tag habe ich seit geraumer Zeit schon lange gewartet, aber gleichzeitig weiß ich nicht, was ich sagen soll. Ich hätte nie davon geträumt, so weit zu kommen, aber der Gedanke, es so weit zu schaffen, hat mich nach vorne getrieben. Ich bin sehr glücklich und erleichtert. Ich fühle mich, als hätte ich etwas erreicht, und das habe ich auch.

500 Tage ritz-frei.

Ich habe hart dafür gearbeitet und wisst ihr was? Es lohnt sich.
28.9.13 11:45


Therapie-Sitzung

Heute war dann also die Therapie-Sitzung, von der ich schon mal erzählt hatte. Ich bin etwas überwältigt von den vielen Informationen und der Tatsache, dass ich etwas verändern muss. Meine Therapeutin wirkt auf mich sehr freundlich und verständnisvoll, aber sie ist auch streng und gibt ihr bestes, um mich zu motivieren, damit ich positive Veränderungen mache.

Sie sagte, ich hätte dadurch nichts zu verlieren. Sie sagte, ich wäre schon so lange am kämpfen. Sie sagte, ich würde diesen Kampf irgendwann verlieren, wenn ich nichts verändere. Sie sagte, es sei an der Zeit, wirklich mit meiner Essstörung umzugehen und daran zu arbeiten. Sie sagte, wir sollen es langsam angehen und sie möchte auch, dass es meine Sache bleibt, damit ich weiterhin die Kontrolle habe und nicht das Gefühl habe, dass alles über meinen Kopf hin entschieden wird. Sie will, dass ich die Kontrolle habe, aber in einer gesünderen und weniger destruktiven Weise.

Sie hat mich dazu aufgefordert, meinen eigenen Ernährungsplan aufzuschreiben, inklusive der Kalorien, mit denen ich mich sicher fühle. Sie will mir dabei helfen, aufzuschreiben, was ich essen kann - nicht nur die Zahlen. Sie meinte, es sollen sechs Mahlzeiten am Tag sein, zwei davon Snacks, damit mein Blutzucker gleichmäßig bleibt. Sie meinte, es sei wichtig, alles in einer Reihenfolge zu machen, damit ich auch in der Agoraphobie Fortschritte machen kann. Es ist schwierig, sich der Agoraphobie auszusetzen, wenn ich die ganze Energie fürs Essen aufbringe.

Wenn/falls ich mich soweit fühle, könnten wir irgendwann Therapeuten hinzuziehen, die auf die Essstörung spezialisiert sind.

Sie hat mehrmals betont, dass alles langsam und nacheinander geschehen soll. Ihr Ziel ist nicht mein Gewicht, sondern dass ich gesündere Routinen entwickele, auf denen man dann aufbauen kann.

Sie will sich auch über eine Tagesklinik informieren, sodass ich zuerst tagsüber ein paar Tage in der Klinik bin. Darüber habe ich aber auch noch keine genaueren Informationen.

Das alles macht mir große Sorge. Ich habe lange nichts an meiner Essstörung gemacht. Ja, ich habe versucht, meine Bulimie in den Griff zu bekommen und daran arbeite ich auch weiterhin - meine Therapeutin unterstützt dies. Ich hatte einen Plan fürs "letzte Mal" aufgestellt, wovon ich ihr aber nicht genau erzählt habe, weil ich nicht glaube, dass sie das unterstützt. Sie meinte, in ZWEI JAHREN (!!!) wäre ich vielleicht kotzfrei, aber das will ich nicht akzeptieren. Ich will JETZT aufhören. Ich schätze, sie will mir sagen, dass es "okayer" ist, beim Kotzen rückfällig zu werden, als alte Wunden zu öffnen und mit der Selbstverletzung meine Emotionen zu verdecken. Das war vorher immer so. Wenn ich versucht habe, mit der Selbstverletzung aufzuhören, wurde meine Essstörung schlimmer. Und umgekehrt. Deshalb will sie es langsam angehen, damit ich nicht mit der Selbstverletzung rückfällig werde.

Meine größte Sorge ist, dass es schlimmer werden wird, bevor es besser wird. In einer kranken Weise fühle ich mich dazu berechtigt, dass meine Kämpfe schlimmer werden oder dass es mir selbst schlechter geht. Quasi so, dass es in Ordnung ist, Gewicht zu verlieren, weil das ein typischer Anfang ist und häufig so passiert. Ich habe Angst davor, dass es mir schlechter geht und dann nicht besser wird. Ich habe Angst davor, dass ich tiefer falle und nicht in der Lage bin, wieder aufzustehen. Ich habe Angst, angelogen zu werden - wenn ich falle, dass dann keiner da ist und mir hilft.

Es gibt so viele Dinge, über die ich nachdenken muss, und ich bin nicht sehr zuversichtlich, weil meine bisherigen Versuche nie Früchte getragen haben. Jedenfalls nicht über einen längeren Zeitraum hinweg.

Aber, wie sie auch gesagt hat - und da stimme ich ihr zu -, was hab ich schon zu verlieren? Ich habe Träume und ich weiß, dass ich die nicht erreichen werde, wenn sich nichts verändert. Woher weiß man, dass man eine Veränderung braucht? Frag dich, ob du glücklich bist. Wenn die Antwort "nein" lautet, musst du etwas ändern.

Gleichzeitig bin ich aber auch nicht bereit, meine Essstörung loszulassen. Meine Therapeutin meint, dass ich sie fürs erste "behalten" kann und dann langsam daran arbeite, sie loszulassen. Das Wort "recovery" ist sehr schwierig für mich, weil ich große Angst vor dem Versagen habe. Ich habe Angst, dass Leute mich anschauen und denken, dass ich ein Versager bin, weil ich es nicht stark genug versucht habe.

Irgendwo will ich gesünder werden, aber ich kenne nicht mein Ziel. Ich weiß nicht, was "gesund sein" bedeutet. Ich kenne kein normales Leben. Ich kenne lediglich meine jetzige Situation und weiß, dass sie mir keine Freude bringen wird.

Ich habe drei Möglichkeiten: sterben. so weitermachen - aber jeder weiß, dass ich irgendwann davon sterben werde und es bis dahin kein erfülltes Leben sein wird. Einen großen Sprung machen und gesund werden.

Ich denke immer "zum richtigen Zeitpunkt" und "jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt" und "Ich muss das zuerst machen" und "erst die Agoraphobie besiegen" oder sowas. Ich weiß, dass ich meine Zeit vergeude. Es wird sich nichts verändern, wenn ich mich nicht dahinter klemme. Wenn man sich einen Berg Steine anschaut, werden die sich nicht von A nach B bewegen, egal, wie stark man daran denkt. Die Steine müssen aufgehoben und bewegt werden. Oder ein Puzzle. Die Teile werden kein komplettes Bild ergeben, wenn man sie nicht an den richtigen Platz setzt.

Meine Therapeutin meinte, sie könne mir die Angst ansehen und sie verstehe auch, wie beängstigend es sein muss, wenn man alles umdrehen muss.

Ich weiß nicht, wie ich mich fühle. Betäubt und überwältigt.
Nächsten Donnerstag bin ich wieder bei ihr und bis dann soll ich meinen Ernährungsplan aufgestellt haben. Sie will nicht, dass er 2000 Kalorien umfasst. Er soll so viel umfassen, wie ich schaffe. Das ist die erste Herausforderung - soll ich ehrlich sein und ehrlich aufschreiben, wie viele Kalorien ich mir zutraue, oder soll ich lügen und weniger aufschreiben und somit quasi ihre "Erlaubnis" erhalten, weniger zu essen?

Sie meinte, was ich derzeit mache, sei ein Chaos. Im Wasser schwimmen, um nicht unterzugehen, aber keine Anstalten machen, zu Land zu kommen.

Ich weiß, ich habe nichts zu verlieren, aber es ist so ein großer Schritt, "ja" zur Recovery zu sagen. Es bedeutet so viel und das beängstigt mich ungemein.
26.9.13 16:04


Heute hatte ich einen Termin mit einer neuen Therapeutin. Es war okay, schätze ich. Sie hat ein paar Vorschläge gemacht und ich weiß noch nicht ganz, was ich davon halten soll. Sie hat mir ein paar Hausaufgaben gegeben. Seufz. Und sie will "etwas neues" ausprobieren... jaaa... Sie will sich auf meine Essstörung konzentrieren, weil sie glaubt, dass das die Hauptursache ist. Ich werde darüber nicht diskutieren, ich bin einfach nicht motiviert. Sie glaubt auch, dass ich mehr Therapie benötige als nur einmal pro Woche. Tagesklinik oder sowas. Ich will nicht zu negativ klingen, ich bin einfach nur müde und weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich schätze, nächsten Donnerstag weiß ich mehr.
17.9.13 17:36


Das Problem wäre gelöst.
Ich war heute morgen so wütend, weil ich nicht im Krankenhaus bleiben wollte, weil ich nicht wusste, was ich tun sollte, und ich war so frustriert, dass ich mich gefühlt habe, als hätte ich nichts zu verlieren. Ich wusste und habe mich so gefühlt, dass alle anderen über meinen Kopf hinweg Entscheidungen über mich treffen und ich nichts zu sagen habe. Sowas hasse ich, es ist MEIN Leben.
Jedenfalls habe ich meinen Vater angerufen und der hat auf das Taxi zum Flughafen gewartet. Ich meinte zu ihm, er solle mich einfach abholen. Ich würde da nicht länger bleiben wollen, ich würde mich selber entlassen. Ich bin total erledigt, ich bekomme Fieber und fühl mich unglaublich schlecht, aber ich bin ZUHAUSE. Ich habe es geschafft, ich bin zuhause.
Ich fühle mich vielleicht schrecklich, aber jedenfalls bin ich genau dort, wo ich sein will und das ist für mich gut genug.
Jetzt werde ich schlafen gehen bis ich mich so fühle, dass selbst gehen nicht mehr unmöglich ist. Gestern hatte ich einfach keine Energie mehr. Ich bin zusammengebrochen. Vielleicht schreibe ich später mal ein genaueres Update, aber jetzt will ich einfach nur schlafen.
16.9.13 17:17


Nichts läuft wie geplant

Alles fühlt sich so surreal an, nichts ergibt einen Sinn.
Letze Nacht habe ich angefangen, einen Blogpost zu verfassen, aber ich musste meinen Laptop ausschalten und schlafen gehen, als ich anfing zu zittern und es mir schrecklich ging.
Vor einer Woche war ich so aufgeregt wegen dem, was ich vorhatte. Ich konnte nicht darüber reden, weil ich in den Norden zu meinem alten Wohnort gefahren bin - und ich wollte meine beste Freundin überraschen, deshalb konnte ich nirgendwo etwas erwähnen.
Hauptsächlich wollte ich hier her kommen, um meiner Oma beim Umzug zu helfen und sie die ersten Tage zu unterstützen. Ich habe mich so sehr auf den ganzen Trip gefreut, weil ich mich auch so auf meine Freunde gefreut habe. Ich habe mir vorgestellt, dass wir packen würden, ich würde etwas helfen, dann der Umzug. Ich würde meine Freunde treffen, mit ihnen etwas in der Gegend rumfahren, Musik hören, lachen... das übliche.
Bitte sagt mir, warum zur verdammten Hölle ich gestern ins Krankenhaus eingewiesen werden musste? Was zur Hölle passiert hier? Mein Flieger geht in fünf Stunden und ich brauch kaum zu erwähnen, dass ich nicht fliegen werde. Zug kommt nicht in Frage, weil das einfach viel zu lange dauert. Das schaffe ich nicht. Und scheinbar bin ich auch nicht in der Lage, fliegen zu können. Verdammt. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich will einfach nur schreien. Ich bin so müde und kann nicht schlafen. Ich.. ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.
Das macht mich so unglaublich traurig. Vor einer Woche war ich voller Vorfreude. Sieben Tage später bin ich so niedergeschlagen und traurig, dass ich diese Reise so bereue. Wenn ich gewusst hätte, dass ich mit der Situation nicht klar kommen würde, dann wäre ich nicht hier her gekommen.
Ich weiß nicht, was als nächstes passieren wird. Ich weiß nur, dass ich nach Hause will. Ich weiß aber nicht einmal, wie ich da hin komme oder wann ich das Krankenhaus verlassen darf. Das ist so lächerlich, ich bin so wütend.
Wenn mich jemand nach meinem "worst case scenario" zu diesem Trip gefragt hätte, dann hätte ich mir diese Situation nicht einmal ausgemalt, weil ich hätte schwören können, dass ich nie an diesem Platz enden würde. Das übertrifft all das schlechte, was hätte passieren können.
Ich muss mir jetzt überlegen, wie ich nach Hause kann. Ich will hier nicht sein.
16.9.13 09:45


A line allows progress, a circle does not.

Ich will es wirklich durch den Tag schaffen, aber ich weiß nicht, ob ich das kann. Ich bin in alle Richtungen gezogen und habe das Gefühl, dass es zu viele Kämpfe gibt, die ich gleichzeitig bestreiten muss.
Heute habe ich der Agoraphobie in den Arsch getreten, zweimal. Zunächst, weil ich zum Zahnarzt musste, und dann war ich mit meinem Vater etwas spazieren und wir sind auf eine Art Aussichtspunkt gegangen, wo viele Touristen hingehen. Wir sind dennoch lang gegangen und meine Hunde waren glücklich.
So viele Touristen! Schweden, Briten, Amerikaner, Italiener, Franzosen, Russen...
Letztlich hab ich mich mit einem alten Pärchen aus Connecticut unterhalten. Purer Zufall. Der Mann hat sich in Zahra verliebt. Hunde zu haben bedeutet immer, dass fremde Menschen einen ansprechen. Wir haben 15 Minuten lang mit ihnen geredet und das ist ein Rekord für mich, wenn es um Fremde geht.
Jetzt bin ich erschöpft und muss den Rest des Tages damit verbringen, dass ich nicht dem Bulimie-Drang nachgehe. Heute ist auch ein Tag, der viele Dinge auslöst. Mein Kopf sagt die ganze Zeit "nur noch einmal" - so läuft das immer. Einmal noch, ein letztes Mal.
Später muss ich zum Supermarkt. UND ich habe Lust auf Milchprodukte. Aber ich habe eine Intoleranz entwickelt und weiß, dass mich diese Sachen krank machen.
Wie zur Hölle soll ich diese Nebenwirkungen rechtfertigen, in Kauf nehmen, anstatt mich zu stoppen und umzudrehen?
Als ich ein paar Monate clean war, konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wie das bulimische Leben war - und umgekehrt kann ich mich jetzt nicht mehr darain erinnern, wie es ist, clean zu sein, wo ich seit Monaten nicht länger als sechs Tage clean war.
Ich habe gezeigt, dass es möglich ist. Ich weiß nur einfach nicht, wie ich auf den Weg zurück komme. Die letzten Monate habe ich so viel versucht und bin immer wieder gescheitert.
Zu viele Dämonen, zu viele Kämpfe. Sie sagen, man soll sich auf einen Kampf konzentrieren. Aber das kann ich nicht. Wenn ich ein Leben möchte, dann muss ich alle bekämpfen. Ich muss mit der Bulimie aufhören, aber ich muss auch die Agoraphobie weiter bekämpfen, um nicht tiefer reinzurutschen.
Das macht mich so traurig und deshalb kann ich mich auch nicht gut darüber fühlen, was ich heute geschafft habe. Stattdessen will ich mich vollfressen und übergeben, um der Traurigkeit zu entfliehen.
"A line allows progress, a circle does not" - Bright Eyes
29.8.13 17:54


I can't win

Die Bulimie hat mich in der letzten Zeit ziemlich eingespannt, sodass die Agoraphobie in aller Seelenruhe ihren Griff um meinen Hals verstärken konnte.
Es gibt zu viele Dämonen. Es ist immer so, dass ich manche Dinge gewinne, manche verliere. Aber letztlich verliere ich mehr, als dass ich gewinne, weil ich diesen Kampf einfach nicht gewinnen kann. Ich kann einfach nicht gewinnen.
29.8.13 11:58


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